Einst war Wein nur zum Trinken da, aber heutzutage hat sich ein blühender Markt entwickelt, auf dem der edle Tropfen nicht nur als Sammlerobjekt gehandelt wird, sondern auch als wertvolle Investition.
In dem Augenblick, wo viel Geld ins Spiel kommt, wird die Aufbewahrung und Lagerung zu einer Notwendigkeit, bei der man nicht nur gewinnen, sondern auch viel verlieren kann.
Wer den Wein selbst im eigenen Keller lagern will, muss sich auf einige Kosten gefasst machen, um eine fachgemäße Lagerung sicherzustellen.
Um Weinsammlern unter die Armen zu greifen, bieten viele spezialisierte Selfstorage-Vermieter heutzutage auch Lagerstätten für eine Weinlagerung an.
Das Ziel ist es, den Weinliebhabern ein sicheres und klimatisch optimales zu Hause für die kostbaren Tropfen zu geben, ohne dass der Wein aufgrund von falscher Lagerung z. B. an Qualität, am Aroma oder gar an Wert verliert.
Spezialisierte Weineinlagerung zu perfekten Bedingungen kann unter verschiedenen Lagerstätten angeboten werden und ist nicht nur auf den Weinkeller beschränkt. Im Folgenden betrachten wir mehrere Voraussetzungen, die bei der Suche nach einem angemieteten fachgemäßen Weinlager beachtet werden müssen.
Was macht Wein zu einem besonderen Produkt, das nur unter gewissen Bedingungen aufbewahrt werden kann?
Wein ist zwar erst seit Dezember 2023 offiziell ein Lebensmittel, zählte aber bereits zuvor als sogenanntes Genussmittel zu den verderblichen Waren. Im Gegensatz zu vielen anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen hat Wein allerdings ein längeres Haltbarkeitsdatum.
Verantwortlich für die lange Haltbarkeit des Weines sind der große Anteil des bei der Gärung entstandenen Zuckers und natürlich der Alkohol von zwischen 9 und 14 Volumenprozent. Außerdem befinden sich neben Wasser und Säure auch Farb-, Aroma- und Gerbstoffe in Wein.
Wein ist ein lebendiges Nahrungsmittel, das sich mit der Zeit verändert. Dabei unterscheidet man zwischen der Weinalterung, die bei Winzern in Holzfässern und Edelstahlwannen unternommen wird, und der Flaschenreifung.
Bei der Flaschenreifung, auf die die meisten Weinsammler setzen, steht die korrekte Lagerung zentral. Dabei sollen sich die pflanzlichen Gerbstoffe, Tannine genannt, weiterentwickeln und weicher werden, um Weinen eine bessere Geschmeidigkeit zu verleihen. Auch die Säuren und der Zucker im Wein entwickeln sich weiter während der Lagerung und hinzugegebene Aromen wie z. B. Vanille, Honig, Nüsse oder getrocknete Früchte vervollkommnen den endlichen Geschmack.
Hinzu kommt der Einfluss des Korkens, der bei der Lagerung den Wein zwar scheinbar luftdicht verschließt, aber dennoch minimal Sauerstoff einlässt und damit durch Oxidation die Reifung des Weins weiter beeinflusst. Bei herkömmlichen Schraubverschlüssen, die keinerlei Luft einlassen, würde dieser wichtige Vorgang eliminiert werden
Die richtige Flaschenreifung benötigt allerdings Voraussetzungen bei der Lagerung, die Weinsammler und –investoren unbedingt einhalten müssen. Dazu gehören die richtige konstante Temperatur, dunkle Lagerstätten ohne UV-Strahleneinwirkung und Regale oder Räume, die vor Erschütterungen geschützt sind.
Wie lange können verschiedene Weine gelagert werden, bevor sie ihren Höhepunkt erreichen?
Schon gewöhnlicher Wein, den man im Supermarkt kauft, hat eine Haltbarkeit von etwa drei Jahren. Wein als Investition muss allerdings eine sogenannte Trinkreife von 15 bis 20 Jahren erreichen, um überhaupt als Sammler- oder Anlageobjekt infrage zu kommen. Um dieses Alter zu erreichen, müssen die richtigen Voraussetzungen und perfekte Lagerbedingungen vorhanden sein.
Unterschiedliche Weine haben unterschiedliche Lagerzeiten, und in der folgenden Tabelle finden Sie einige der gängigsten:
| Weintyp | Merkmal | Lagerzeit | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Qualitätswein, rot | jung | 1-3 Jahre | Beaujolais |
| Qualitätswein, rot | mittelkräftig | 1-5 Jahre | Merlot, Chianti |
| Qualitätswein, rot | körperreich | 2-10 Jahre | Hochwertige Burgunder & Rioja |
| Qualitätswein, weiß | frisch | 1 Jahr | Riesling |
| Qualitätswein, weiß | aromatisch | 1-2 Jahre | Sauvignon Blanc |
| Qualitätswein, weiß | vollmundig | 2-10 Jahre | Hochwertige Chardonnays |
| Qualitätswein, rosé | fruchtbetont | 1-2 Jahre | Provence-Weine |
| Dessertweine | süß | 3-10 Jahre | Marsala, Moscato |
| Qualitäts-Champagner | fruchtig | 3 – 10 Jahre | Moët & Chandon |
Bei der Lagerung und Haltbarkeit von Weinen gilt generell das Motto: Je jünger der Wein bei der Flaschenfüllung ist, desto kürzer ist die Haltbarkeit und demnach auch die mögliche Lagerzeit, bevor der Wein verdirbt. Wein, der bereits vom Hersteller vorgereift wurde, hat demnach eine längere Haltbarkeit und kann auch länger in Weinlagern aufbewahrt werden. Auch Beerenauslesen/Spätlesen und andere Qualitätsweine, die in der Regel seltener und damit auch teurer sind, können normalerweise länger eingelagert werden.
So gut wie alle Hersteller von Qualitäts- und Kabinettweinen weisen jedoch darauf hin, dass bei einer optimalen Lagerhaltung ihrer Weine die angegebene Lagerzeit oft bei Jahren überschreiten kann. Eine optimale Lagerung umfasst die folgenden Kriterien:
Was ist die richtige Temperatur für die Weinlagerung?
Als Faustregel für eine generelle Weinlagerung gilt ein Temperaturbereich von 7–18°C. Weinexperten schränken die optimale Temperatur jedoch weiter auf 11–12°C ein. Hinzu kommt, dass unterschiedliche Weine oft eine eigene optimale Lagertemperatur beanspruchen.
Welche Temperatur für Ihre Weinlagerung angemessen ist, hängt deshalb von dem Wein ab, in den Sie investieren wollen.
Fest steht jedoch, dass Temperaturen von 21°C und darüber bereits den Reifungsprozess des Weines beschleunigen und damit die Lagerzeit erheblich verkürzen. Bei Temperaturen von 25°C und darüber kann das Aroma des Weins schon so beeinträchtigt werden, dass er als ungenießbar angesehen werden muss.
Dabei müssen Sie auch beachten, dass selbst innerhalb des als generell angegebenen Temperaturbereichs von 7–18°C keine größeren Schwankungen und Abweichungen vorkommen. Stellen Sie deshalb sicher, dass Ihre Weinlagerung nicht von den Außentemperaturen, Heizkörpern, Sonneneinwirkung oder unisolierten Wänden geschädigt wird. Kleinere Temperaturschwankungen über eine kürzere Zeit hinweg haben sich allerdings als weniger gravierend gezeigt.
Welche Luftfeuchtigkeit hält Korken stabil, ohne Schimmelbildung zu verursachen?
Neben der Temperatur ist auch die Luftfeuchtigkeit in Ihrem Weinlager von entscheidender Bedeutung. Diese beeinflusst nämlich den Gesundheitszustand des Korkens, der nicht nur Ihre edlen Tropfen in der Flasche hält, sondern auch einen großen Einfluss auf die Reifung und Haltbarkeit Ihres Weins hat.
Ist die Luftfeuchtigkeit in Ihrem Weinlager zu gering (<50%) und die Luft zu trocken, kann der Korken austrocknen und spröde werden. Damit erhöht sich die Luftzufuhr in der Flasche und der Wein oxidiert, wobei er an Geschmack verliert und sogar ungenießbar werden kann.
Ist die Luftfeuchtigkeit aber zu hoch, z. B. über 80%, besteht die große Gefahr, dass Ihr Korken anfängt, zu schimmeln. Dabei können Schimmelsporen in den Wein gelangen und diesen unwiederbringlich beschädigen.
Neben den Korken werden auch Weinetiketten von der Luftfeuchtigkeit beeinträchtigt und können je nach den Verhältnissen in Ihrem Weinlager entweder aufweichen oder zerbröseln.
Die perfekte Luftfeuchtigkeit für Weinkeller und –lager liegt gemäß Experten zwischen 60 und 70 %.
Um die optimale Luftfeuchtigkeit für Ihren Wein zu bewerkstelligen, sollten Sie nicht nur regelmäßig die Luftfeuchtigkeit messen, sondern auch sicherstellen, dass Ihr Weinlager sich nicht in einem feuchten Raum befindet, der nicht ordnungsgemäß klimatisiert und temperiert ist.
Wie schützt man Wein vor Licht, bevor sich sein Aroma zersetzt?
Neben Temperaturschwankungen und unangenehm hohen/tiefen Feuchtigkeitsgehalten in der Luft ist Licht der größte Feind der Weinlagerung. UV-Strahlen können in Wein chemische Reaktionen auslösen, die nicht nur die Farbe, sondern auch den Geschmack beeinträchtigen. Wein, der über längere Zeit hinweg Sonnenlicht ausgesetzt wird, erhält in der Regel den gefürchteten „Lichtschlag“, der neben einem unangenehmen Geschmack auch von einem faulen Geruch begleitet wird.
Aus diesem Grund wird Wein seit jeher in dunklen Kellern aufbewahrt, die weder Fenster noch Glastüren haben. Neben dem Sonnenlicht können auch Halogen- und Leuchtstofflampen Ihren Wein in etwas Ungenießbares verwandeln, weil beide neben UV-Strahlen auch noch unnötige Hitze abgeben.
Wein- und Lichtexperten schlagen deshalb eine warme, dezente Beleuchtung durch LED-Lampen vor, die an Bewegungssensoren gekoppelt sind. Damit können Sie die Sicherheit in Ihrem Weinkeller gewährleisten, weil die Lampen angehen, sobald jemand den verdunkelten Bereich betritt, sich aber auch automatisch wieder ausschalten. Mithilfe der Sensoren können sie sicherstellen, dass Ihr Wein nur einer minimalen Lichtmenge ausgesetzt wird, die nicht zu Schäden führt.
Sollten Sie Flaschen abhängig von Verschlussart liegend oder stehend lagern?
Wie bereits erwähnt, werden Weine als Sammel- und Investitionsobjekte zumeist mit Naturkorken verschlossen. Ungefähr 80 % der Weine in der globalen Herstellung werden immer noch mit Korken verschlossen, aber im Laufe der letzten Jahre haben auch Premium-Wein-Hersteller in die Entwicklung von Alternativ-Lösungen investiert.
Der Grund ist der allgemein gefürchtete „Korkschmecker“, bei dem der gelagerte Wein den Geschmack des Korkens unwiderruflich annimmt und damit ungenießbar wird.
„Korkschmecker“ entsteht, wenn eine TCA-Infektion (2,4,6-Trichloranisol) den Korken angreift. TCA ist das Resultat natürlich vorkommender Pilze, die mit Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln in Berührung kommen. In den meisten Fällen geschieht die Infektion bereits in der Korkenproduktion, wo diese Mittel unentbehrlich sind.
Eine TCA-Infektion kann selbst heutzutage mit modernen Analyseautomaten nicht vollständig ausgeschlossen werden. Viele Weinproduzenten gehen deshalb allmählich dazu über, Schraub- oder Glasverschlüsse auf ihren Weinflaschen anzubringen.
Da Kork neben dem Verschluss auch weitere Vorteile und wichtige Beiträge zur Weinreifung mit sich bringt, sollten Weinflaschen, die mit Naturkork verschlossen sind, immer liegend gelagert werden. Weinflaschen, die einen Schraubverschluss oder Glasstopfer haben, können auch stehend eingelagert werden. Allerdings verkürzt sich bei dieser Art von Aufbewahrung die Lagerzeit auf zwei, maximal drei Jahre.
Champagner, Sekt und andere Schaumweine können sowohl stehend als auch liegend gelagert werden, abhängig davon, wie Sie den Wein gekauft haben. Bei der Herstellung von Schaumweinen entsteht ein Überdruck in der Flasche, bei dem die aufsteigende Kohlensäure den Korken auch ohne direkte Berührung immer feucht hält. Wenn der Schaumwein allerdings beim Hersteller schon über geraume Zeit liegend gelagert wurde, sollten Sie diese Position beibehalten, um den Wein nicht zu stören und unnötigen Druck auszulösen.
Auch ansonsten sollten Sie unnötige Rotationen der Weinflaschen, Bewegungen der Regale oder gar Vibrationen im Weinkeller vermeiden. Haushaltsgeräte, regelmäßiges Türöffnen und -schließen und sogar die eigens für den Weinkeller installierte Klimaanlage können zu klitzekleinen Beeinträchtigungen bei dem Zusammenspiel der Substanzen führen, die für die ordnungsgemäße und zeitgerechte Weinreifung und –alterung notwendig sind.
Wie vermeidet man Vibrationen, die Sedimente aufwirbeln und die Alterung beschleunigen?
Gut gelagerter und gereifter Wein setzt sich aus verschiedenen Substanzen zusammen. Dazu gehören Schwebstoffe, Aromen, Tannine und natürliche Ablagerungen, die bei einer ordnungsgemäß stillen, horizontalen Lage entstehen. Wenn diese durch Bewegungen der Flaschen durcheinandergebracht werden, kann sich nicht nur die Alterung des Weines beschleunigen, sondern auch der Geschmack zum Schlechteren verändern.
Deshalb sollten Sie Ihren Weinkeller oder –raum nicht nur vor Licht und Temperaturschwankungen schützen, sondern auch vor regelmäßigen Vibrationen und Erschütterungen.
Lagern Sie Ihren Wein so weit wie möglich entfernt von Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen, Trocknern, Kühlschränken und Gefriertruhen. Auch oft genutzte Treppenhäuser und Garagentore können einen schlechten Einfluss auf Ihren Wein ausüben.
Sichern Sie Ihren Weinkeller mit Regalen, die auf massiven Betonböden stehen und mit Vibrationsdämpfern an den Füßen und Seiten gesichert sind. Abgerundete und dem Flaschenhals angepasste Auflagen in Weinregalen sorgen dafür, dass die Flaschen sicher liegen und nicht rollen können.
Außerdem empfiehlt es sich nicht, einen Weinkeller in einer Umgebung einzurichten, die sich in der Nähe von viel befahrenen Straßen, häufigen Straßenarbeiten und Flugplätzen befindet. Finden Sie einen ruhigen Raum für Ihren Wein jenseits der ausgetretenen Pfade, zur Not sogar außerhalb der eigenen vier Wände.
Weinkeller zu Hause oder in gemieteter Lagereinheit?
Wie Sie sehen, ist die Einrichtung eines Weinkellers nichts für jemanden mit schwachen Nerven. Wenn Sie Wein nur über kürzere Zeit, also 1–2 Jahre, lagern wollen, ist die Einrichtung weit weniger zeitaufwendig und detailorientiert, denn Ihre edlen Tropfen müssen nicht den gleichen Sicherheitsvorkehrungen unterworfen werden wie kostspielige Sammler- oder Investitionsobjekte.
Wenn Sie aber in Betracht ziehen, Wein zu sammeln oder in die Flaschen als Alternative zu Ihrem bestehenden Aktien-Portfolio zu investieren, kommen weit größere Ausgaben ins Spiel. Ihr Keller oder Lagerraum muss nicht nur völlig klimatisiert und stoßgedämpft werden. Sie müssen außerdem selbst ständig darauf achten, dass sich die Temperatur und der Feuchtigkeitsgehalt im Rahmen des für den Wein Erträglichen liegen.
Ein Notstromaggregat und eine CCTV/Videoüberwachung sind wahrscheinlich auch angebracht, wenn Sie Ihre Investition zulänglich sichern wollen. Dabei sparen Sie vielleicht Mietausgaben, aber die Einrichtung des Weinkellers kann sogar über die Zeit weit mehr kosten.
Neuerdings gibt es eine Reihe von Selfstorage-Optionen, die sich auf die Lagerung von Wein spezialisiert haben. Dort erhalten Sie in der Regel bereits die perfekten Bedingungen für Ihre Weinlagerung und über die Sicherung und Versicherung müssen Sie sich auch keine Gedanken machen.
Auch verschiedene Weinhändler und Weingüter bieten professionelle Lagermöglichkeiten für Weinsammler an. Hierbei müssen Sie aber die Menge beachten, die Sie jetzt und in Zukunft einlagern wollen, weil der Platz nicht unbegrenzt ausgeweitet werden kann.
Bei der Entscheidung, ob Sie Ihren Wein zu Hause oder bei professionellen Weinkeller-Vermietern einlagern wollen, sollten Sie Folgendes in Betracht ziehen:
- Wie viele Weinflaschen wollen Sie einlagern? Ist die Menge es wert, den ganzen Keller umzubauen?
- Wie lange wollen Sie den Wein lagern? Wenn Sie den Wein zum eigenen Genuss über kürzere Zeit lagern, wäre vielleicht ein Weinlagerschrank in einer dunklen Ecke im Keller ausreichend.
- Wie gravierend sind die Temperaturschwankungen in Ihrer Gegend?
- Wie feucht ist Ihr Keller?
- Wie viel Zeit können Sie selbst aufwenden, um auf Ihre Weinsammlung aufzupassen?
Wenn Sie einen Weinkeller mieten wollen, sollten Sie auch den fachgerechten Transport beachten. Damit Ihre kostbaren Weinflaschen nicht schon vor der Einlagerung durchgeschüttelt werden, ist es angebracht, professionelle Hilfe und Ratschläge, z. B. von Ihrem Weinhändler einzuholen. Professionelle Weinlager und Weinkeller werden zudem einen ordnungsgemäßen Transport mit Abholung- und Rücklieferung als Teil der Dienstleistung anbieten.